Bullen- und Bärenmarkt: Der Zyklus der Finanzwelt

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Bullen- und Bärenmarkt: Der Zyklus der Finanzwelt

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Bullen- und Bärenmarkt

Bullenmarkt, Bärenmarkt und dann noch der Schweinezyklus. Was zunächst an einen Bauernhof oder Zirkus muten lässt, sind in Wirklichkeit Synonyme für bestimmte zyklische Abläufe der Finanzmärkte. Was verbirgt sich hinter den Begrifflichkeiten und warum Du nicht in eine Bullen- bzw. Bärenfalle tappen solltest, wollen wir Dir hier erklären.

Börsenzyklus = Bullenmarkt + Bärenmarkt

Wie auch im Leben geht es im Finanzsektor rauf und runter. Mit Sicherheit kennst Du die Kurven, welche überall auf Handelsplattformen dargestellt werden. Du siehst, alles läuft in Zyklen ab. Bullen (Wachstumsphasen) und Bären (Rückgänge) wechseln sich somit ab.

Wann allerdings diese Zyklen eintreten , weiß niemand. (Man kann die Kursentwicklung lediglich aufgrund vergangener Daten erahnen oder versuchen die Reaktion auf Neuigkeiten zu deuten.)

INFO: Wie kam es eigentlich zur tierischen Methapher?1
» Optimisten: Der Bulle greift von unten nach oben an und schleudert sein Ziel in die Luft.
» Pessimisten: Der Bär hingegen lässt seine schweren Tatzen von oben auf sein Gegenüber hinunterrasseln.

Bullenmarkt (Hausse)

Positiv gestimmte Anleger beherrschen den Markt und kaufen in der Hoffnung auf steigende Kurse. Hält diese positive Entwicklung länger an und die Investments zeigen positive Performance, entschließen sich auch zittrige Anleger in den Markt zu investieren. Es entwickelt sich eine Eigendynamik, welche zu einer Rally führen kann.

Bitcoin Bullenmarkt mit Rallye 2019
Bitcoin erlebte im 1. Semester 2019 einen Bullenmarkt (Preissteigerung +100%) und endete in einer kurzen Rallye
Chart Quelle: https://coinmarketcap.com/

Bärenmarkt (Baisse)

Wenn die Kurse langfristig fallen und pessimistische Anleger den Markt beherrschen, wird von einem Bärenmarkt gesprochen. Du kannst diese negative Entwicklung nutzen, um auf fallende Kurse zu setzen, zu verkaufen oder Deinen Investments beim fiktiven Wertverlust zu beobachten.

Bitcoin Bärenmarkt 2018
2018 hielten die Bären Bitcoin fest in Händen
Chart Quelle: https://coinmarketcap.com/

Überschlagsmäßig kannst Du Dir merken, wenn der Markt um 20% über einen längeren Zeitraum von etwa 2 Monaten einbricht, kann von einem Bärenmarkt gesprochen werden.

WICHTIG: Keine Panik und gute Nerven sind gefragt. Definierst Du Dich als langfristiger Anleger, solltest Du keinesfalls sofort bei fallenden Kursen verkaufen, sondern auf eine langfristige Wertsteigerung setzen. Am besten deaktivierst Du Benachrichtigungen Deiner Investmentapps und sitzt das Tief einfach aus.

Bullen- oder Bärenfalle

Bullenfalle – Du befindest Dich in einem Bärenmarkt und nimmst an, dass die Kurse nun steigen werden. Tun sie aber nicht. Dann bist Du in eine Bullenfalle getappt.
Selbiges kann Dir in einem Bullenmarkt passieren, in welchem die Preise tatsächlich steigen und Du noch weitere Preissteigerungen annimmst.
Die Bullenfalle trifft im Wesentlichen auf steigenden Kursen rechnende Anleger und vermittelt ein Kaufsignal. Die Fehlinterpretation wird gerne durch Ergebnisse von Chartanalysen ausgelöst.

Eine Bullenfalle könnte Dir unter anderem in einer Bärenmarktrallye zustoßen. Eine kurze aber intensive Wertsteigerung in einem Bärenmarkt interpretierst Du als Kehrtwende und hoffst nun auf steigende Kurse. Tatsächlich handelte es sich um eine Bärenmarktrallye und der Bärenmarkt setzt sich fort.

Bullen- und Bärenfalle
Bitcoin Bärenmarkt im Jahre 2018 nach dem Hype von 2017 – vereinfachte Beispiele von Bullen- und Bärenfalle.
Chart Quelle: https://coinmarketcap.com/

Bärenfalle Die Bärenfalle suggeriert Dir ein Verkaufssignal. Die Kurse fallen und Du nimmst einen weiteren negativen Kursverlauf an. Tatsächlich dreht sich Entwicklung und Kurse steigen wider Deiner Erwartung.
Die selbe Fehleinschätzung könnte Dir auch in einem Bullenmarkt unterlaufen. Wenn Charts und Analysen behaupten, dass die Steigerungen vorbei seien und Du daher fallende Kurse annimmst.
Du kannst auf zwei Arten in die Bärenfalle geraten:

  1. Profit – Du willst Gewinn aus der negativen Periode schlagen und gehst short. (Setzt also auf fallende Kurse). Oder Du veräußerst Dein Investment und hoffst später wieder zu einem günstigeren Stückpreis wieder einzusteigen. (Stückzahl erhöhen)
  2. Schutzinstinkt – Du veräußerst Deine Investments, um sie vor weiteren Kursverfall zu schützen.

Anlagestrategien im Bullen- und Bärenmarkt

Um Kopfschmerzen und schlaflose Nächte zu vermeiden, könntest Du einen Bärenmarkt einfach langfristig bis zum nächsten Bullenmarkt aussitzen. Willst Du nicht zögern, betrachte folgende Überlegungen:

Mann tappt in Bärenfall und hat Kopfschmerzen bei sinkenden Kursen
In eine Falle zu tappen bzw. generell finanzieller Misserfolg kann eine große Belastung sein und sorgt für reichlich Kopfschmerzen.

Schweinezyklus

In unserem € 10.000,- investieren Artikel empfehlen wir bereits, antizyklisch zu handeln. Aber als ob wären Bullen und Bären nicht schon genug, gilt es bei gewissen Gütern auch das Schweinchen zu beachten.

In der Ökonomie spricht man von einem unelastischen Angebot, wenn sich die Anzahl der angebotenen Güter nur langsam bis gar nicht an veränderte Nachfragebedingungen anpassen. Dies hat zur Folge das Angebot und Nachfrage über einen gewissen Zeitraum auseinander driften. Es wechseln sich Zeiten des Mangels und des Überschusses periodisch zyklisch ab.
Wie Du bereits weißt, sinken Preise in Überschuss-Zeiten und erhöhen sich bei mangelnden Angebot.

Grafik Schweinezyklus
Der ständige Wechsel von Überschuss und Mangel erzeugt ein (Preis-)Ungleichgewicht

Immobilien und der Schweinzyklus

Kein anderes Investmentobjekt ist Durch den Schweinezyklus intensiver betroffen. Klar, digitale Produkte können schnell auf den Markt reagieren aber ein Haus zu bauen, nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch.

Beispiel Wohnbau (übertrieben dargestellt)
Baust Du eine Wohnanlage, werden die Menschen dort ihre Heimat finden und pflegen keinen Bedarf an zusätzlichen Wohneinheiten. Die Preise stagniere und niemand kommt für eine Weile auf die Idee eine weitere Wohnanlage zu bauen.

Plötzlich bekommen die Familien Kinder und verlangen größere oder mehr Wohnungseinheiten, welche derzeit nicht auf den Markt zu finden sind. Die nächsten Jahre steigen die Preise. Ist ein gewisse Nachfrage bzw. Preislevel erreicht, werden findige Geschäftsleute Wohnanlage bauen. Bis zu deren Fertigstellung steigen die Preise weiter und weitere Bauherren bauen Wohnanlagen. Bei Fertigstellung ist ein Überschuss auf dem Markt zu finden und der Schweinzyklus beginnt erneut.

Unser Beispiel bezieht sich hauptsächlich auf Immobilien. Allerdings kann der Schweinezyklus auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden.

Alternativ Beispiel: in einem Jahr fällt die Apfelernte miserabel aus. Das geringe Angebot führt zu hohen Preisen. Die Bauern pflanzen nun viele Apfelbäume, um später von den hohen Preisen zu profitieren. Bis die Bäume groß gewachsen sind, überfluten Äpfel den Markt und die Preise sinken.

INFO: In manchen Regionen sind bei Wohnimmobilien stetig steigende Preise zu beobachten. Wohnanlagen werden durchgehend errichtet, da der Bedarf ohnehin ständig unterversorgt wird.
Besser lässt sich der Schweinezyklus bei Büroimmobilien beobachten.

Sonstige Marktbewegungen

Prinzipiell ist der Kurs von Erwartungen und Konjunkturzyklen getrieben. Zudem richtet sich der Preis eines Investments nicht zwingend nach seinem tatsächlichen Wert, sondern wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Daher sind auch folgende Chartbewegungen abseits bzw. während eines Bullen- oder Bärenmarktes möglich:

  • Seitwärtsbewegung – Leichte Schwankungen des Kurses aber keine nennenswerten Ausbrüche bzw. Entwicklung in eine Richtung.
  • Rally (Hype) – Kurze aber starker Anstieg eines Kurses.
  • Boom – Langfristiger wirtschaftlicher Aufschwung eines Wirtschaftszweiges oder Marktes.
  • Korrektur – kurze aber meist intensive Gegenbewegung zu steigenden Kursen. Muss nicht zwingend einen Bärenmarkt einleiten, sondern kann eine gesunde Entwicklung des Bullenmarktes sein.
  • Crash – Die Kurse fallen schnell und stark. Üblicherweise sinkt der ganze Markt und die Entwicklung ist eng mit der (Welt-)Wirschaft verknüpft.
  • US-Präsidentschaftszyklus – Eine interessante Überlegung: Nach der Wahl fallen die Kurse. Aber ab Mitte der Amtsperiode bzw. vor den Wahlen können die Kurse steigen.2

INFO: Erst im Nachhinein lässt sich eindeutig definieren, um welche Bewegung es sich gehandelt hat. Chartanalysen können zwar auf gewisse Veränderungen/Kurswende hindeuten, müssen sich aber nicht bewahrheiten. Du wärst somit von einer Bullen- oder Bärenfalle geschnappt worden.

Fazit – Wann investieren?

Wir sind keine Chartanalysten und die Zukunft können Dir auch Prognosen nicht voraussagen. Dir sollte dennoch bewusst sein, dass auch der Puls der Finanzmärkte in einem gewissen Rythmus pocht. Kannst Du erkennen, ob Du Dich im Bullen- oder Bärenmarkt befindest, kannst Du dementsprechend reagieren.

Chartanalysen bilden die Zukunft ohnehin nur mit Daten der Vergangenheit ab. Erwarte keine geraden Linien oder konkrete Aussagen. Charts schwanken und zwar immer! Erst mit gewissen Methoden (z.B. Durchschnitte) wirst Du Trends ableiten können.

Am besten versuchst zu zunächst erst mal € 100,- zu investieren. Damit lernst Du wie die Märkte funktionieren. Wenn Du wissen willst, welche Möglichkeiten der Anlage bestehen, bieten wir Dir unsere Investmentmöglichkeiten Zusammenfassung.

Wie ergeht es Dir im Bullen- und Bärenmarkt? Gehörst Du zu den Zittrigen die schnell um ihr Geld bangen oder bist Du der knallharte Investor?

Quellen

1 Börse ARD (2018) – Wie Bulle und Bär zur Börse kamen, Die Presse (2012) – Bulle und Bär: Der Ursprung der ewigen Börse-Rivalen

2 Börse ARD (2012) – Mit dem US-Präsidenten auf der Gewinnerseite?

Die Kunst, über Geld nachzudenken
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Die Kunst, über Geld nachzudenken
Der alte 'Kosto', wie er im Buch liebevoll genannt wird, berichtet aus der Ära, wo Aktien die Finanzwelt dominierten. Doch gerade ein Vergleich seiner Lehren zu neuartigen Finanzprodukten z.B. den Kryptomarkt, lassen vermuten, dass trotz aller Digitalisierung und Veränderung, alte Regeln und Weisheiten noch lange nicht ausgedient haben.


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Pietro

Als Gründer und Autor hinter gentality.com schreibe ich leidenschaftlich Blogs zum Thema - Psychologie, Ökonomie und zwischenmenschliche Beziehung. Hinter unserem Handeln stecken mal mehr, mal weniger komplizierte Beweggründe. Sie zu verstehen, kann unsere Sicht auf die Dinge verändern und unseren Handlungsspielraum erweitert. Wer die Welt versteht, kann bewusst auf seine Umwelt reagieren.

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