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Lernen Wissen zu behalten – ab ins Langzeitgedächtnis

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Lernen Wissen zu behalten – ab ins Langzeitgedächtnis

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Langzeitgedächtnis Informationen merken

Wer kennt es nicht, gerade eben gelernt und schon hast Du Probleme Dich daran zu erinnern. Oder hattest Du schon einmal das Gefühl, Dinge zu vergessen, welche Du eigentlich gelernt hast aber lange nicht mehr abrufen musstest? Dann ist Dir vermutlich der gängige Fehler unterlaufen, dass Du das Wissen nur ins Kurzzeitgedächtniss pressen wolltest. Vielleicht auch noch in kurzer Zeit. Leider funktioniert unser Langzeitgedächtnis etwas anders.

Der Speicherprozess

Kurz- und Langzeitgedächtnis sind nicht nur Regionen unseres Gehirns, sondern für unterschiedliche Aufgaben konzipiert. So durchläuft jede Information einen gewissen Prozess. Nachdem neue Informationen von den Sinnesorganen unser Hirn erreichen, landen sie im Kurzeitgedächtnis. Damit der Mensch schnell reagieren kann, werden dort erste Analysen durchgeführt. (Welcher Reiz wurde erkannt? Welche Muster lassen sich erkennen? Und viele mehr.) Ein ITler würde von Algorithmen sprechen, welche die Information im Arbeitspeicher durchlaufen. Spannend dabei ist, dass wir heuristische Methoden anwenden, um schnell Schlüsse zu ziehen. Oft ohne Grundlage von Fakten. Und schon folgen wir klassischen Vorurteilen. Aber grundsätzlich gilt, alte Information im Arbeitsspeicher wird durch neue Information ersetzt.

Leider ist der Weg ins Langzeitgedächtnis ein sehr schmaler Durchgang. Nur für wirklich wichtig befundene Informationen werden für unseren Langzeitspeicher zugelassen. Mit anderen Worten, unser Langzeitarchiv speichert nur mit geringer Geschwindigkeit und nur mit der Investion “langer Zeit” bleiben diese auch erhalten. Denn schlussendlich bedeutet Langzeitgedächtnis Fakten, Schemen und Systeme zu verstehen.

Wie du dich selber austrickst, wenn Du meinst alles zu wissen.

Starte den Versuch, nach einem Buch, Video oder diesem Artikel die wichtigsten Punkte des Beitrags zu nennen. Na mit dem Kurzeitgedächtnis klappt das ja noch ganz gut. Nun lass Dir ein paar Stunden Zeit oder schlafe eine Nacht darüber und versuche erneut die Hauptaussagen oder wichtigsten Inhalte wiederzugeben. Tust Du Dir dabei schwer, dann keine Sorge – Du bist nicht alleine. Die Information hat es nicht in unser Langzeitgedächtnis geschafft. Genau dieses Gefühl, direkt nach einem Beitrag, befeuert den Irrglauben, alles zu verstehen. Frau Dr. Barbara Oakley nennt dieses Phänomen “Illusion of competence”1 (frei übersetzt: “Der Irrglaube fähig zu sein”) und definiert es wie folgt:

  1. Informationen zu sehen oder zu hören bedeutet nicht gleich sie auch zu wissen.
  2. Eine Schlussfolgerung oder ein Argument zu hören oder zu sehen alleine, heißt nicht automatisch, selbst zu dieser Aussage gelangen zu können.
  3. Etwas auf google zu suchen gibt Dir die Illusion, dass die Informationen in Deinem Gehirn gespeichert ist.
  4. Viel Zeit mit Unterlagen oder einem Thema zu verbringen, führt nicht automatisch dazu, den Inhalt tatsächlich zu verstehen.

Dein tatsächliches Wissen kannst Du einfach überprüfen, indem Du es jemand anderen zu erklären versuchst. Denn wenn Du es erklären kannst, hast Du es verstanden. Wenn nicht, helfen Dir die folgenden Tipps.

Methoden zum Gedächtnistraining

Wie kannst Du es Dir nun merken? Versuche eine Methode zu finden, die Dir am besten liegt. Diese Tipps haben uns schon oft geholfen:

  • Recall Methode – Schau nach einem Video oder Text weg und versuche zu rekapitulieren was Du gerade gesehen bzw. gelesen hast.
  • Feynman technique
    1. Nimm etwas zur Hand, das Du verstehen willst.
    2. Schreibe eine Erklärung für jemand Fremden, der es nicht versteht bzw. kennt.
    3. Die Erklärung muss ohne Hilfsmittel erstellt werden können. Solltest Du Probleme dabei haben, wiederhole den Stoff so oft, bis eine fehlerfreie Erklärung gelingt.
    4. Zum Schluss vereinfache deine Erklärung. Suche Vergleiche, Beispiele oder Allegorien (Metaphern). Vereinfache es am Besten so lange, bis es ein Kind verstehen würde.
  • Spaced Repetition – Diese Lernmethode konzentriert sich auf das konsequente Wiederholen. Meist wird dazu ein Karteikartensystem (Leitner System) genutzt. Dabei sollten die Durchgänge über eine längere zeitliche Periode verstreut werden. Mehrfache Wiederholungen an einem Tag zeigen nur mäßigen Erfolg. Vor allem, da das Gehirn über Nacht und im Schlaf Informationen verarbeitet.
  • Quality over Quantity – Es ist effektiver, sich weniger Lektionen zu widmen und Deine Inhalte in verdaubare Portionen aufzuteilen. Splitte einen Text in kleinere Teile und behandle jeden Tag nur einen Part.
  • Kein Multitasking – Auch wenn sich das Gerücht hält, manche Menschen (besonders Frauen) seinen multitaskingfähig, muss ich Dich jetzt enttäuschen. Eigentlich verarbeitet auch ein Computerprozessor nur eine Rechenoperation nach der anderen. Konzentriere Dich auf Deinen Inhalt und vermeide andere Aufgaben, wie z.B. nebenan zu kochen oder Videos während dem Autofahren zu schauen. (das solltest Du sowieso tunlichst vermeiden!) Zusammengefasst, Dein Arbeitsspeicher besitzt eine Kapazitätsgrenze und kann überreizt werden.
  • Vermeide Ablenkung – So weit als möglich solltest Du vorsehen, nicht aus dem Lernprozess gerissen zu werden. Du hörst gerne podcasts, radio oder lässt den TV als second Screen laufen? Soweit gut, bis zu jenem Punkt, wo deine Aufmerksamkeit von den Nachrichten angezogen wird. Dein Kurzzeitgedächtnis muss nun auf mehrere Inhalte konzentrieren und die Entscheidung, welche Informationen ans Langzeitgedächtnis weitergeleitet werden, wird erschwert. (Dein Hirn muss zwischen den Signalen “Reizen und Rauschen” unterscheiden.)
  • Zeit investieren – ist die einzige Möglichkeit, Wissen zu festigen. Der Rest, also kurze Informationsdauer, dient rein zur Unterhaltung.

Fazit

Der Zweck des Lernens ist zu wachsen. Aber anders als unser Körper, kann unser Verstand unser ganzes Leben wachsen.

Mortimer J. Adler, US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller

Herr Adler und ich teilen die selbe Meinung. Als Fitness Fan würde ich es so beschreiben: “Dein Gehirn ist wie ein Muskel. Er muss trainiert werden, um zu wachsen.” Je intensiver Dein Training, umso massiver deine Wissenszuwächse. Auch wenn Dich diese Tatsache nich freuen wird, eine Abkürzung gibt es leider nicht. Allerdings zahlt sich eine intensive Auseinandersetzung mit einem Thema aus. Du wirst die Infos lange speichern und Dich langfristig von der Masse abheben.

Und manchmal hilft auch die Tatsache, zu akzeptieren, dass Du nicht Alles wissen kannst (oder musst). In vielen Situationen gelangt das Pareto Prinzip (80 zu 20 Regel) zum Einsatz. In diesem Sinne, wünschen wir Dir viel Erfolg und falls Du weitere Tipps für uns parat hast dann lass es uns einfach wissen.

Quellen

1 Dr. Barbara Oakley (2016) Keynote speaker: Learning how to learn – “Illusions of Competence” DOI 10.1109/ISECon.2016.7457469

Nicholas Carr (2011) The Shallows: How the Internet is Changing the Way We Think, Read and Remember – ISBN 978-1848872271

Tipp: Dieses Buch ist auch als Hörbuch auf Audible verfügbar.

Pietro

Als Gründer und Autor hinter gentality.com schreibe ich leidenschaftlich Blogs zum Thema - Psychologie, Ökonomie und zwischenmenschliche Beziehung. Hinter unserem Handeln stecken mal mehr, mal weniger komplizierte Beweggründe. Sie zu verstehen, kann unsere Sicht auf die Dinge verändern und unseren Handlungsspielraum erweitert. Wer die Welt versteht, kann bewusst auf seine Umwelt reagieren.

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